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	<title>Klarspüler &#187; Literaturwelt</title>
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		<title>Gefangen in der Sorglosigkeitsökonomie</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Aug 2014 04:58:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Seit einigen Wochen geht es in der Literaturwelt zur Sache. Zwischen Amazon und einigen großen Verlagsgruppen. Und wie das so bei Auseinandersetzungen ist, bei denen viel Geld auf dem Spiel steht und grundlegende Ansichten aufeinanderprallen: raushalten geht nicht. Man muss sich entscheiden, auf welcher Seite man steht! Seit einigen Tagen positionieren sich viele deutsche Autoren [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einigen Wochen geht es in der Literaturwelt zur Sache. Zwischen Amazon und einigen großen Verlagsgruppen. Und wie das so bei Auseinandersetzungen ist, bei denen viel Geld auf dem Spiel steht und grundlegende Ansichten aufeinanderprallen: raushalten geht nicht. Man muss sich entscheiden, auf welcher Seite man steht! Seit einigen Tagen positionieren sich viele deutsche Autoren im <a href="http://www.fairer-buchmarkt.de/">Aktionsbündnis Fairer Buchmarkt:</a> für einen Buchmarkt, an dem alle, Verlage, Buchhändler, Verlagsautoren auch Amazon und selbstverständlich auch Selfpublisher zu fairen Bedingungen teilhaben sollen. Eine gute Idee, die aber Widerspruch hervorruft, z.B. in Form eines <a href="http://phantanews.de/wp/aartikel/offener-brief-der-selfpublisher-den-buchhandel/">offenen Briefes der Selfpublisher</a>, die die Kritik an Amazon nicht verstehen. Schade! Denn anscheinend überwiegt bei Selfpublishern nach wie vor das Wohlgefallen der Sorglosigkeitsökonomie, in die sie ihre Partnerschaft mit Amazon gebracht hat. <span id="more-1505"></span></p>
<p>Ich glaube nicht, dass es den Begriff &#8220;Sorglosigkeitsökonomie&#8221; gibt. Er klingt aber gut, um eine bestimmte Haltung zu beschreiben, in der sich Selfpublisher befinden und aus der sie sich nicht heraus bewegen wollen: die Sorglosigkeit ökonomisch vorteilhafter Bedingungen. Und die bietet ihnen immer noch Amazon! Kein Verlag. Egal ob groß oder klein. Das kann man leicht recherchieren. Bei Amazon verdienen Selfpublisher an E-Books einfach mehr als bei Verlagen. Punkt. Nur allzu verständlich, dass sie die Kritik an Amazon als vorurteilsbeladenes Bashing stigmatisieren.</p>
<p>Die Logik der Sorglosigkeitsökonomie ist richtig und unwiderlegbar. Sie hat aber einen entscheidenden Fehler: sie ist kurzsichtig und verwechselt Geschäftspartner mit Kunden. In gewisser Weise erinnert sie an die Sorglosigkeit, der man sich hingibt, sobald man einen Riesenauftrag von einem Riesenkunden hat, an dem das ganze Geschäft hängt. Man nimmt den Gewinn gerne mit und gibt gleichsam seine Selbstbestimmung und Handlungsfreiheit ab.</p>
<p>Oftmals hört man von den Selfpublishern das Argument, das Amazon nicht zu kritisieren sei, weil es seinen Kunden die besten Angebote bietet. Das stimmt. Nur bedeutet beste Produkte zu besten Preisen, dass Herstellungskosten, Personalkosten oder Ausgaben für sonstige Produkte und Dienstleistungen, die man &#8220;einkauft&#8221;, gering sind. Selfpublisher sind keine Kunden. Sie sind Geschäftspartner, die noch eine gute Vergütung für ihre Dienstleistung erhalten. Und wie lange noch?</p>
<p>Amazon ist ein Unternehmen, das auf Profit aus ist. Und diesen erreicht man durch geringe Kosten und hohe Umsätze mit möglichst hohen Margen. Da ist es klar, dass irgendwann auch die Vergütung der Selfpublisher angepackt wird. Und dann? Die &#8220;Marktmacht&#8221; des einzelnen Selfpublishers gegenüber Amazon dürfte als nicht existent anzusehen sein, was dazu führen wird, dass sie sich dem Diktat der neuen, schlechteren Bedingungen beugen werden müssen. Und warum? Weil Amazon die Bedingungen diktieren kann. Genau dies passiert gerade in den Auseinandersetzungen mit Verlagsgruppen wie Hachette und Bonnier.</p>
<p>Und genau deshalb suchen die Initiatoren von Bündnissen wie der Aktion Fairer Buchmarkt den Schulterschluss mit allen Betroffenen. Aber hier verweigern sich die Selfpublisher. Und warum? Weil sie nicht betroffen sind! Noch!</p>
<p>Leider ist es die fehlende Abstraktionsfähigkeit von der eigenen aktuellen Situation hin zu dem, was kommen mag, die eine konzertierte Aktion, wie sie in der Politik so gerne genannt wird, verhindert. Nur weil ich derzeit/noch (?) nicht betroffen bin, setzte ich mich nicht mit anderen zusammen. Dabei hätten Selfpublisher gleichsam einen guten Aspekt, den sie in eine konzertierte Diskussion einbringen könnten: die ungerechtfertigte Ignoranz der (stationären) Buchhändler ihnen gegenüber. Diesen Punkt könnten sie als ihr Interesse einbringen, der in einer gemeinesamen Diskussion zu lösen sei. So wie auch die anderen beteiligten Parteien (auch Amazon) ihre Interessenlangen einbringen könnte, um sie so weit es geht, mit allen Beteiligten auszugleichen. Genau dies ist der Ansatzpunkt der Aktion Fairer Buchmarkt.</p>
<p>Doch stattdessen gibt es keinen gemeinsamen Ansatz. Lieber, die falsche Sicherheit, dass man mit Amazon derzeit gute Geschäfte machen kann. Gut, dann noch mal schnell absahnen. Denn vielleicht heißt es schon schneller als man denkt: die fetten Jahre sind vorbei.</p>
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		<title>Alle gegen Amazon, niemand für neue Businessideen</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jul 2014 13:22:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Amazon]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist nicht leicht in der aktuellen Kontroverse um Amazon eine differenzierte Sichtweise einzunehmen. Eine, die nicht mit Begriffen wie Bücherkrieg, Untergang des Kulturguts Buch oder Invasion durch einen fast schon dämonischen Gegner spricht, der seit Jahren an einem Masterplan arbeitet, die gesamte Buchbranche unter Kontrolle zu bringen. Ich versuche es trotzdem. Denn letztlich bringt [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist nicht leicht in der <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/boersenverein-legt-beschwerde-beim-bundeskartellamt-ein-a-977153.html">aktuellen Kontroverse</a> um Amazon eine differenzierte Sichtweise einzunehmen. Eine, die nicht mit Begriffen wie <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/amazon-in-usa-buecherkrieg-gegen-verlage-wie-hachette-a-977345.html">Bücherkrieg</a>, Untergang des Kulturguts Buch oder <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/wir-brauchen-widerstand-gegen-amazons-invasion-13023459.html">Invasion</a> durch einen fast schon dämonischen Gegner spricht, der seit Jahren an einem Masterplan arbeitet, <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/digitaler-wandel-alles-wird-amazon-13027839.html">die gesamte Buchbranche unter Kontrolle</a> zu bringen. Ich versuche es trotzdem. Denn letztlich bringt die andere Sichtweise gar nichts. Sie zementiert nur den Status Quo: eine marktbeherrschende Position Amazons. Dass es so weit gekommen ist, liegt nicht nur an der &#8220;Stärke&#8221; von Amazon. Sondern auch an der &#8220;Schwäche&#8221; der althergebrachten Akteure des Buchmarkts, die erste erst richtig zur Geltung bringt. Folglich gilt es jetzt die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.<span id="more-1401"></span></p>
<p>Die heißen natürlich: <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/amazon/wir-brauchen-widerstand-gegen-amazons-invasion-13023459-p2.html">Widerstand</a>. Wenn das mal so einfach wäre. Denn wie dieser Widerstand funktionieren kann, wie er organisiert werden soll, da sind sich die Akteure noch nicht einig. Vielleicht klappt es ja, wenn man <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/amazon/widerstand-in-amerika-der-kampf-gegen-amazon-beginnt-13042227-p2.html">Medien und Prominente</a> für sich gewinnt, die Stimmung machen. Auf keinen Fall sollte es <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/apple-streit-um-e-book-preisbindung-endet-mit-vergleich-a-975690.html">&#8220;old-school&#8221;-mäßig</a> laufen: über Preisabsprachen in Hinterzimmern, um Amazons Marktmacht zu brechen. Das läuft nur darauf hinaus, dass man die Kartellbehörden im Nacken hat, eine deftige Strafe aufgebrummt bekommt und sich Amazon ob so dummer &#8220;Anfängerfehler&#8221; ins Fäustchen lacht.</p>
<p>Die Debatte um Amazon ist seltsam. Seltsam zum einen, weil sie an einem bestimmten Ort geführt wird: im <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/die-amazon-gefahr-warum-unsere-buchverlage-angst-haben-muessen-13021089.html">Feuilletonteil</a> bekannter, überregionaler Zeitungen. Hier wird analysiert, soziologisiert und was am merkwürdigsten ist: <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/digitaler-wandel-alles-wird-amazon-13027839.html">historisiert</a> und futurisiert. Amazons Erfolg der Vergangenheit wird als logischer, gradliniger, checklistenartiger Weg ins Jetzt dargestellt. Die Zukunft, d.h. das zukünftige Verhalten der Akteure als naturwissenschaftliche-logische Folge der Entscheidungen im Jetzt. Alles schöne Denksportaufgaben. Sie taugen aber nicht, um daraus Lösungen zu generieren. Sie schüren nur das Gerede über die Problem-Ist-Situation.</p>
<p>Zum anderen ist die Debatte deswegen seltsam, weil die Akteure der Buchbranche einen Zustand beklagen, von dem sie bisher doch eigentlich profitiert haben. Oder? Immerhin ist Amazon größter Kunde der Verlage, bietet ihnen als Online-Buchhändler einen unendlich großen Vertriebskanal, so dass die Verlage hierdurch ordentliche Umsätze und Gewinne machen konnten. Und darüber anscheinend vergessen haben, wie &#8220;Business&#8221; funktioniert. Grundsätzlich. Und im Besonderen im 2.0 Zeitalter.</p>
<p>Es mag Gründe geben, logische wie unlogische, warum man sein Schicksal in die Hände eines Großkunden gibt. Auf Dauer fährt man damit aber nicht gut. Man begibt sich in eine Abhängigkeit, die einen in die Situation führt, in der man heute ist. Denn Amazon ist gar nicht der größte Kunde. Er ist der größte Konkurrent. Weil Amazon sich nicht auf die Rolle des Buchhändlers beschränkt hat, sondern immer mehr verlegerische Tätigkeiten an sich zieht, diese mit den Möglichkeiten digitaler Kommunikationsmedien verbindet und damit das Geschäftsmodell &#8220;auf den Kopf gestellt hat&#8221;. Um das zu erkennen genügt ein Blick in den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amazon.com">Wikipediaeintrag</a> von Amazon. Rubrik Geschichte.</p>
<p>Amazon greift um sich. Expandiert. Schluckt weitere Firmen und wächst und wächst und wächst. Falsch!!!!! Es integriert Dienstleistungen und Angebote, um daraus neue Dienstleistungen und Angebote zu entwickeln. Das nennt man Innovation. Und das in der Buchbranche. Amazon hat nämlich seit eh und je etwas mit Büchern gemacht.</p>
<p>Irgendwie erscheint mir der aktuelle Aufschrei in der Buchbranche wie der schiefe Singsang nach jahrelanger Vogel-Strauß-Politik. Hat man allen Ernstes geglaubt, dass Amazon die gigantische Verkaufsplattform ist, die alle an den neuen Möglichkeiten und Verkaufserfolgen des digitalen Zeitalters teilhaben lassen wird? Falls ja, würde ich mir überlegen die Mitarbeiter sämtlicher Business Development Abteilungen in den Verlagen kollektiv zu entlassen, weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.</p>
<p>Aber das bringt einen ja auch nicht weiter. Vielleicht würden die Entlassenen sogar einige Wochen später bei Amazon anheuern. Denn Amazon ist auch ein guter Arbeitgeber. Zumindest für hochqualifizierte Wissensarbeiter, Fachrichtung IT. Ich kenne sogar einige persönlich. Und hier schließt sich die nächste Merkwürdigkeit in der Kontroverse um Amazon an: das vermeintlich positive Image Amazons bei Autoren. Amazon der Freund und Helfer, der die Autoren aus der Knechtschaft der Verlage befreit, der die Autoren zu Verleger ihrer Selbst macht, bei dem man viel mehr oder sogar <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/amazon/amazons-falsche-charmeoffensive-im-buecherkampf-13035943.html">enorm viel mehr</a> verdienen kann als bei traditionellen Verlagen.</p>
<p>Hat Amazon Recht? Leider ja. Dass die meisten Autoren mit den Bedingungen bei ihren Verlagen unzufrieden sind, konnte man erst kürzlich in einer <a href="http://autoren-auteurs-autori-authors.org/">Befragung</a>, die Anfang 2013 vom VS sowie Autorenverbänden aus der Schweiz und Österreich durchgeführt wurde, nachlesen. Ist Amazon die Lösung für Autoren? Natürlich nicht! Denn Amazon ist in dieser Beziehung verlegerisch tätig. Die Autoren, die jetzt gerade auf den Self-Publishing-Zug aufspringen und damit gute und vielleicht sogar bessere Erfahrungen machen als mit traditionellen Verlagen, machen dies zu einer Zeit, in der die Bedingungen (z.B. prozentuale Beteiligung) noch vergleichsweise hoch sind. Glaubt man allen Ernstes, dass dies so bleiben wird? Zumal, wenn Amazon seine Macht und Position im Markt noch weiter ausbauen wird?</p>
<p>Als Gegenargument las ich kürzlich etwas unglaublich <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/amazon/wir-brauchen-widerstand-gegen-amazons-invasion-13023459-p2.html">Blödes</a>: hier wurde zur Beruhigung, dass Amazons zukünftiger Machtzuwachs nicht unbedingt zu schlechteren Bedingungen für die Autoren und einer Eindämmung des Buchangebots führen wird, der Vergleich mit der Supermarktkette WalMart gezogen, die in den USA in vielen Städten &#8220;ein Monopol der Lebensmittelversorgung besitze, aber die Preise konstant niedrig halte&#8221;. Hier verwechselt wohl jemand Kunden mit (freien) Mitarbeitern.</p>
<p>Was ich an diesem Aspekt der Diskussion nicht verstehe: warum gelingt es nicht Amazon-Nachteile (kein Service, keine Beratung beim Buchverkauf) aufzugreifen und diese zu eigenen verkaufsfördernden Gegenargumente auszuwalzen? Macht Amazon ja auch. Vielleicht weil nur darüber geredet und nichts gemacht wird. Und weil alles, was mit IT, E-Books, Internet, Web 2.0 zu tun hat, für die Verlage immer noch so unverständlich ist wie das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Voynich-Manuskript">Voynich-Manuskript</a>.</p>
<p>Eine Lösung kann sicherlich so aussehen, wie es Sibylle Berg in ihrer <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-ueber-amazon-buchmarkt-literaturbetrieb-und-medienkrise-a-980269.html#spRedirectedFrom=www&amp;referrrer=">Kolumne</a> beschreibt. Wobei ich bezweifle, dass man einfach mit einigen IT-Cracks ins Silicon Valley fahren kann und einem dort der neue Geistesblitz für eine Geschäftsidee oder ein neues Produkt einfach so über den Weg läuft. Dennoch liegt hier die Antwort: in den neuen Medien. Produkte und Dienstleistungen, die online verfügbar gemacht werden. Einige amerikanischen Verlage habe <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/amazon-jetzt-schlagen-die-verlage-zurueck-13037546.html">gerade damit angefangen</a>.</p>
<p>Natürlich bricht man damit nicht gleich die Vormachtstellung Amazons auf. Im Gegenteil: vielleicht ist es nur ein Strohfeuer, das sogleich wieder vom großen Konkurrenten ausgelöscht wird. Daher sollte man zuerst in sich gehen und vielleicht den simplen Rat so mancher (Zufriedenheits)Coaches befolgen und eine simple Liste erstellen: mit Vor- und Nachteilen des eigenen Geschäfts, mit den Wünschen der Leser, mit den Sorgen der Autoren und sich dann überlegen: welche Produkte und Dienstleistungen können wir dafür anbieten? Wo kann man Mehrwert schaffen? Wo können wir besser sein? Und dies IT-unterstützt, einfach bedienbar. Leicht zugänglich. Dazu braucht man natürlich kreative Leute, die auch noch über das nötige Know-How verfügen. Aber, die gibt es.</p>
<p>Kreativität, eingebettet in digitale Medien ist der Nährboden des Widerstandes. Amazon selbst hat es vorgemacht. Und das können die anderen Akteuere auch. Denn beides gehört nicht Amazon allein.</p>
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		<title>Die unerträgliche Möglichkeit des Unmöglichen II</title>
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		<pubDate>Sat, 03 May 2014 07:27:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Die unglaubliche Reise des Fakirs]]></category>
		<category><![CDATA[Romain Puértolas]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer ist schon an einem Sonntagmorgen vor acht Uhr im Auto unterwegs und hört Radio, wenn er den Abend davor bis spät in die Nacht aus war? Bestimmt die allerwenigsten. Ich gehöre zu diesem Menschenschlag. Sich zu so früher Stunde hinter das Lenkrad zu setzen birgt jedoch Gefahren. Nicht wegen des Restalkohols im Blut und [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer ist schon an einem Sonntagmorgen vor acht Uhr im Auto unterwegs und hört Radio, wenn er den Abend davor bis spät in die Nacht aus war? Bestimmt die allerwenigsten. Ich gehöre zu diesem Menschenschlag. Sich zu so früher Stunde hinter das Lenkrad zu setzen birgt jedoch Gefahren. Nicht wegen des Restalkohols im Blut und unerwarteter Morgenkontrollen der Polizei. Sondern wegen bizarrer Radiobeiträge, die von literarischen Wunderleistungen erzählen, die man fälschlicher Weise für Spätprodukte des vorabendlichen Gelages hält. Und dadurch seine literarischen Chancen auf einen Weltbestseller sausen lässt.<span id="more-1228"></span></p>
<p>Letzten Sonntag lief so ein Beitrag auf einslive als ich gerade auf der A3 Richtung Köln fuhr. Darin wurde der neue Roman von Romain Puértolas, &#8220;Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte&#8221;, vorgestellt. Der Roman, der in Frankreich ein großer Erfolg ist, und jetzt auch in anderen Ländern seinen Siegeszug antritt, sei nicht Puértolas Erstlingswerk. <em>Na klar, immerhin ist er ja schon Mitte/Ende dreißig. </em>Zuvor habe er schon sieben andere Romane geschrieben, die von den Verlagen ungefähr mit so viel Interesse bedacht wurden wie verschüttetes Wasser. <em>Ha, welcher Nachwuchsautor kennt dies nicht?</em> Puértolas habe aber nicht aufgegeben, sondern weitergearbeitet und sei dann irgendwann auf die Story über den Fakir gestoßen, die er dann &#8211; neben seinem Brotberuf &#8211; einfach runter geschrieben habe. <em>Moment, wie jetzt? Nebenher ist klar, aber einfach runter geschrieben? </em>Dies sei sogar wörtlich gemeint, da Romain Puértolas die Geschichte innerhalb von zwei Wochen in sein iPad reingetippt habe. <em>Was? Innerhalb von zwei Wochen? Wie kann das denn sein? Da muss ich jetzt was falsch verstanden haben.</em> Und das ganze fand natürlich nicht zu Hause im stillen Kämmerlein statt, sondern während der täglichen Straßenbahnfahrt ins Büro und wieder zurück. <em>Wie bitte?? Das kann doch jetzt nicht sein, da muss ich was total falsch verstanden haben. Vielleicht hätte ich gestern Abend doch nicht so viel trinken &#8230;</em></p>
<p>&#8230; erst jetzt bemerke ich wütendes Gehupe und aggressives Aufblitzen des Fernlichts vom dunklen BMW hinter mir, der wohl seit geraumer Zeit versucht, an mir vorbeizukommen. Wozu die Mischung aus nicht abgebautem Alkohol und frühmorgendlichen Radiobeiträgen doch führen können.</p>
<p>Doch mitnichten hatte dieses Erlebnis etwas mit Spätphantastereien einer durchzechten Nacht zu tun. Dies wurde mir einige Tage später klar, als ich diesen <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/die-unglaubliche-reise-des-fakirs-im-ikea-schrank-von-romain-puertolas-a-966789.html">Artikel</a> entdeckte, indem erklärt wurde, wie Romain Puértolas einen Bestseller nach dem Baukastenprinzip geschrieben hat. Die sechs simplen Bestandteile soll sich dann bitte jeder selbst zu Gemüte führen.</p>
<p>Aber was für eine ignorante Haltung meinerseits! Beinahe hätte ich verkannt, wie leicht es doch ist, einen Bestseller zu schreiben und zwar mit Ankündigung! Wie dumm von mir und tausenden anderen, die sich hinsetzen und einfach so drauflos schreiben, ohne sich vorher Gedanken gemacht zu haben, ob der nächste Roman nicht doch lieber ein Bestseller werden soll, anstatt nur irgendein weiteres Buch. Daher hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack (man kann ja mit dem Marketing nicht früh genug anfangen) auf meinen nächsten Roman, der Anfang August erscheinen wird:</p>
<p>&#8220;Die völlig überzogene Lebenshaltung des buckligen Herr Zhu, der in Reykjavik Grünkohl anbauen wollte&#8221;. Als Protagonisten: der bucklige Herr Zhu, der Reykjavik über alles liegt, weil er einmal eine Postkarte von dort bekommen hat, die gar nicht für ihn bestimmt war. Herr Zhus sprechender Grünkohl, der den Sinn des Lebens kennt und eine eigene Homepage hat. Katinka Kerzhakova, eine ukrainisch-georgische Agentin im Diensten des bolivianischen Geheimdienstes. Und ein Kater namens Fisch. All diese Figuren treffen sich zufällig an einem Sonntagnachmittag in einer McDonalds Filiale in Shanghai und beschließen innerhalb von 72 Stunden die Probleme eines jeden aus der Grupppe zu lösen: denn Unbekannte sind die besseren Familienmitglieder.</p>
<p>In diesem Sinne gute Unterhaltung!</p>
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		<title>Die unerträgliche Möglichkeit des Unmöglichen</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Mar 2014 07:48:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Leipziger Buchmesse]]></category>
		<category><![CDATA[Nachwuchsschriftsteller]]></category>
		<category><![CDATA[Yahya Hassan]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern startete die Leipziger Buchmesse. Wie letztes Jahr, werde ich auch dieses Mal nicht dabei sein. Keine Sorge, niemand wird mich vermissen oder vergeblich auf mich warten. Auf den 18-jährigen dänischen Schrifteller Yahya Hassan hingegen werden einige Leute warten, um seine Gedichte zu hören, mit denen er in den vergangenen Monaten Dänemark aufgerüttelt hat. Gedichte, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern startete die Leipziger Buchmesse. Wie letztes Jahr, werde ich auch dieses Mal nicht dabei sein. Keine Sorge, niemand wird mich vermissen oder vergeblich auf mich warten. Auf den 18-jährigen dänischen Schrifteller Yahya Hassan hingegen werden einige Leute warten, um seine <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/yahya-hassan-9783550080838.html">Gedichte</a> zu hören, mit denen er in den vergangenen Monaten Dänemark aufgerüttelt hat. Gedichte, junger Schriftsteller? Da war doch was. Richtig! Eigentlich ist es heute unmöglich einen Gedichtband zu veröffentlichen. Insbesondere ist es für junge, noch unbekannte Autoren grundsätzlich unmöglich überhaupt etwas in einem renommierten Publikumsverlag zu veröffentlichen. Die Geschichte von Yahya Hassan zeigt hingegen: die Möglichkeit unmöglicher Begebenheiten existiert und wir brauchen sie!<span id="more-1006"></span></p>
<p>Jeder, der schriftstellerisch tätig wird und sein Geschreibsel irgendwann veröffentlicht sehen möchte, ist gezwungen, sich mit den realen Begebenheiten des Publikationswesens auseinander zu setzen, d.h. sich mit Mechanismen und Regeln des Buchmarkts vertraut zu machen. Denn letztlich ist ein Buch ein Produkt. Das klingt zwar schnöde wirtschaftlich, ist aber so. Diese Mechanismen und Regeln sagen uns beispielsweise: Kurzgeschichten und Gedichte liest kein Mensch! Als unbekannter Autor hat man keine Chance, direkt in einem großen Verlag unterzukommen, weil einen niemand kennt, weil man keine Beziehungen hat, weil man keine Marke ist. Lieber soll man sich an kleine Verlage wenden. Oder es in Agenturen probieren. Publikumsverlage interessieren sich nur für amerikanische oder englische Erfolgsautoren, deren Übersetzungen sie auf den deutschen Buchmarkt schmeißen. Etablierte deutsche Autoren sind froh, ihre Karriere vor grauer Zeit begonnen zu haben, als es noch leicht war in die Verlage zu kommen. Das E-Book läuft dem Buch den Rang ab. Wer es bei Agenturen und Verlagen nicht schafft, der wird einfach selbst zum Verlag und macht innerhalb weniger Wochen bei Amazon einen Haufen Kohle.</p>
<p>Das sind Statements wie der Buchmarkt funktionieren kann. Aber nicht muss. Sie beschreiben Spielregeln, die eine Orientierung für die Realität geben können. Und der natürliche Drang der Menschen ist, Regeln und Mechanismen zu umgehen, sie nicht unbedingt abzuschaffen, aber sie zumindest nur für die anderen gelten zu lassen. So kann es dann sein, dass plötzlich einer eine Abkürzung nimmt, vorbei an den ganzen Funktionsprinzipien, wie einer der an der Warteschlange zu einem angesagten Club einfach vorbeispaziert und vom Türsteher reingelassen wird. Vielleicht stand er auf der Gästeliste? Vielleicht. Aber eventuell hat er sich auch von den Regeln und Mechanismen nicht lähmen lassen.</p>
<p>&#8220;Wieso haben irgendwelche Verlagsmenschen ausgerechnet an ihm einen Narren gefressen?&#8221; wird man mit einem gewissen Unterton des Neids fragen. Der &#8220;angry author&#8221;, der sich in wortgewaltigen Zeilen über die Ungerechtigkeiten der Realität auslässt ist doch nun wirklich nichts Neues. Leider gibt es darauf keine Antwort, weil man das eigentlich Unmögliche nicht erklären kann. Es existiert aber, ist da, wirkt, überrascht uns jedes Mal aufs Neue, lässt uns zurück mit einer Mischung aus Neid, aber auch Bewunderung, dass es eben doch anders gehen kann. Gerade im künstlerischen Bereich, wo die Wege ins Rampenlicht oftmals verwinkelt und unübersichtlich sind.</p>
<p>Und das sollte uns hoffen lassen, anstatt uns ängstlich davon abzuhalten, es ebenfalls zu versuchen. In dem Sinne, gute Unterhaltung!</p>
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		<title>Gastkommentar: Freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Selbstdemontage</title>
		<link>http://klarspueler.com/gastkommentar-freie-meinungsaeusserung-oder-das-recht-auf-selbstdemontage/</link>
		<comments>http://klarspueler.com/gastkommentar-freie-meinungsaeusserung-oder-das-recht-auf-selbstdemontage/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 09 Mar 2014 13:38:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Sibylle Lewitscharoff]]></category>

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		<description><![CDATA[Der nachfolgende Text stammt vom Betreiber der Seite http://memomessenger.wordpress.com und wird hier als Gastkommentar mit freundlicher Genehmigung von memomesseneger.wordpress.com veröffentlicht. Freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Selbstdemontage Sibylle Lewitscharoff, eine mehrfach preisgekrönte deutsche Schriftstellerin hat sich in einer Rede zu Themen wie Onanie, künstlicher Befruchtung, christlichen Wertvorstellungen und anderem geäußert. Das ist ihr gutes Recht. Freie [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der nachfolgende Text stammt vom Betreiber der Seite <a href="http://memomessenger.wordpress.com/" rel="nofollow">http://memomessenger.wordpress.com</a> und wird hier als Gastkommentar mit freundlicher Genehmigung von memomesseneger.wordpress.com veröffentlicht.</p>
<p class="entry-title"><em><strong>Freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Selbstdemontage</strong></em></p>
<p><em>Sibylle Lewitscharoff, eine mehrfach preisgekrönte deutsche Schriftstellerin hat sich in einer Rede zu Themen wie Onanie, künstlicher Befruchtung, christlichen Wertvorstellungen und anderem geäußert. Das ist ihr gutes Recht. Freie Meinungsäußerung.<span id="more-993"></span></em></p>
<p><em>Dabei hat sie sich in vielen Sätzen durch ihre Wortwahl selbst diskreditiert. Auch das ist ihr gutes Recht. Das Recht auf Eigen-Blamage.</em><br />
<em> Ihre Ansichten sind sowas von daneben, dass man es kaum fassen kann. Ich will dieses krude Gefasel hier nicht wiederholen, aber im Link unter dem Beitrag ist alles nachzulesen.</em></p>
<p><em>Nachdem in den ersten Tagen nach dieser Rede bedrückendes mediales Schweigen herrschte, bricht nun ein wahrer Shitstorm über Lewitscharoff herein. Mit Recht. Dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Auch ich bin bestürzt über ihre Ansichten und tue dies hiermit kund.</em></p>
<p><em>Aber: In einem Land mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung muss auch so eine abstruse Weltanschauung geäußert werden dürfen. Dieses Recht hat die Autorin wahrgenommen. Nun muss sie mit dem Recht der Bürger und Medien auf freie Gegenrede leben. Dass diese Reaktionen so heftig ausfallen, wie es ihre eigene Wortwahl auch war, ist nur gerecht.</em></p>
<p><em>Jeder Versuch der Beschneidung des Meinungsfreiheitsrechts für die eine oder andere Seite wäre kontraproduktiv, undemokratisch und verfassungswidrig.</em><br />
<em> Unsere Meinungsfreiheitskultur ist stark genug! Also gönnen wir es allen, sich mit Recht selbst zu demontieren!</em></p>
<p><em><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/sibylle-lewitscharoff-im-gespraech-darf-ich-nicht-sagen-was-ich-denke-12835124.html" rel="nofollow">http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/sibylle-lewitscharoff-im-gespraech-darf-ich-nicht-sagen-was-ich-denke-12835124.html</a></em></p>
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		<title>Thilo Sarrazin hat Recht</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Mar 2014 06:25:01 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Literaturwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Sibylle Lewitscharoff]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf diesen bescheuerten Gedanken könnte jetzt Sibylle Lewitscharoff kommen. Denn &#8211; so die wirre These im neusten Gedankenschmöcker von Sozialbulldozer T.S. &#8211; der Meinungsfreiheit werden in Deutschland durch einen Gleichheitswahn enge Grenzen gesetzt. An diese ist vor einigen Tagen Sibylle Lewitscharoff gestoßen, als sie sich in der Kunst des gesprochenen Wortes versuchte und im Staatsschauspiel [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf diesen bescheuerten Gedanken könnte jetzt Sibylle Lewitscharoff kommen. Denn &#8211; so die wirre These im neusten Gedankenschmöcker von Sozialbulldozer T.S. &#8211; der Meinungsfreiheit werden in Deutschland durch einen Gleichheitswahn enge Grenzen gesetzt. An diese ist vor einigen Tagen Sibylle Lewitscharoff gestoßen, als sie sich in der Kunst des gesprochenen Wortes versuchte und im Staatsschauspiel Dresden eine <a href="http://www.staatsschauspiel-dresden.de/download/18986/dresdner_rede_sibylle_lewitscharoff_final.pdf">Rede</a> hielt. Ergebnis ist der erste Literaturskandal 2014. Skandalös sind dabei nicht nur der Inhalt, den Sibylle Lewitscharoff verbreitete, sondern auch die Verteidigungsbollwerke im sarrazinären Duktus, die von Meinungsfreiheitspuristen errichtet wurden.<span id="more-968"></span></p>
<p>Natürlich gab es eine Menge Gegenrede zu Sibylle Lewitscharoffs&#8217; Äußerungen. Neben der offiziellen <a href="http://www.staatsschauspiel-dresden.de/download/18987/offener_brief_von_robert_koall.pdf">Gegendarstellung der einladenden Institution</a>, zwei herrliche Kommentare von <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/lewitscharoff-kolumne-zur-skandal-rede-der-buechner-preistraegerin-a-957342.html">Georg Diez</a> und <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sybille-lewitscharoff-sybille-bergs-gedanken-zur-skandalrede-a-957412.html">Sybille Berg</a>. Aber es gab eben auch diejenigen, die sich über die Empörung empörten. Diese fanden sich in mehreren Diskussionen auf einem bekannten sozialen Netzwerk und erweckten den Eindruck, eine ebenso sprachlich deutliche wie vehemente Kritik an der Rede von Sibylle Lewitscharoff sei nicht mehr als die unkontrollierte, vorurteilsbehaftete Aggression des Mobs.</p>
<p>Daher, um es direkt zu Anfang klar zu stellen: ja, ich habe die Rede gelesen. Es war zwar nicht schön, sich durch die gezwirbelten Schachtelsätze zu kämpfen, aber ich nehme es sportlich. Bei einem Marathon will man ja auch nur durchkommen. Diese Feststellung muss ich machen, um mich vor dem ersten Gegenargument der Kritikzurückweiser zu schützen: &#8220;Haben Sie die Rede überhaupt gelesen oder gehört?&#8221; Mal ehrlich, was soll so eine blöde Frage? Erweckt eine kritische Äußerung gegen die unsäglichen Äußerungen einer Sibylle Lewitscharoff etwa den Eindruck, man wissen nicht was man kritisiere?</p>
<p>Das zweite Argument der Empörungseindämmer ist mein Lieblingsargument. Es richtet sich gegen die bösen Medien, die natürlich an allem Schuld sind, weil sie in ihrer Berichterstattung die Rede nur bruchstückhaft wiedergeben und entscheidende Sätze im falschen Zusammenhang gesetzt haben. Liebe Kritikaufweicher, das kann doch wohl nicht euer ernst sein! Erstens, in einem Zeitungsartikel ist leider kein Platz eine elfseitige Rede komplett abzudrucken, um auch ja nichts bruchstückhaft darzustellen. Zweitens, ihr glaubt doch nicht wirklich, dass Zitate <em>mehrerer</em> Sätze, die alle in eine gewisse Richtung gehen, die eigentliche Aussage derart verunstalten, dass ihr gegenteiliger Sinn herauskommt. Welche intellektuelle Abgehobenheit steckt eigentlich dahinter zu behaupten, Zeitungen wie die <a href="http://www.taz.de/Rede-von-Sibylle-Lewitscharoff/!134309/">taz </a>oder der <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/buechner-preistraegerin-sibylle-lewitscharoff-onanie-ist-gefaehrlich-kuenstliche-befruchtung-widerwaertig/9578046.html">Tagesspiege</a>l würden nicht das wiedergeben, was Sibylle Lewitscharoff <em>gemeint</em> hat? Was hat sie denn angeblich gemeint? Und wenn es etwas anderes war, warum hat sie es nicht gesagt? Gelegenheit hatte sie ja.</p>
<p>Und dann wäre da noch das dritte Argument der plumpe-Widerrede-Bekämpfer: das Gesagte sei nur Kalkül und Taktik, ein bewusster Krawall-Effekt, um &#8220;im gossip&#8221; zu bleiben. Sicher! Hat ihr bestimmt ihr PR-Berater eingeflüstert und ihr dann auf bunten Charts gezeigt, wie sich das auf den Absatz ihrer Bücher auswirkt. Ne, ne, hier hat jemand etwas von sich gegeben, der genau wusste was er sagte und der damit eine bestimmte Botschaft übermitteln wollte.</p>
<p>Deshalb, verehrte sarrazinäre Meinungseinschränkungsthesenvertreter, ist es verdammt richtig, dass sich ein Sturm der Empörung über Sibylle Lewitscharoffs&#8217; <em>Äußerungen</em> ergossen hat, anders als das laue Lüftchen des <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/sibylle-lewitscharoff-statement-von-suhrkamp-a-957518.html">deutschen Literaturbetriebs</a>. Denn ansonsten hätte Sibylle Lewitscharoff wohl noch geglaubt, dass viele mit ihrer Meinung einverstanden seien. Welch fataler Irrtum. Aber sie kann ja noch dazu lernen und hat inzwischen &#8211; nach dem zweiten Nachfragen &#8211; <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/lewitscharoff-entschuldigt-sich-fuer-retortenkinder-aussagen-a-957399.html">zurückgerudert</a>. Bestimmt auch nur aus PR-Taktik. Oder hat hier eine Zeitung mal wieder etwas falsch dargestellt. Wollte sie vielleicht gar nicht. Egal was. Damit dürfte es jetzt gut sein.</p>
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		<title>Generation [hier Schlagwort einsetzen]</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Mar 2014 08:36:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Was macht eigentlich ein Journalist, der gerade um die 30 ist und das Gefühl hat, dass es in seinem Leben irgendwie nicht so läuft, wie er sich das als Kind immer vorgestellt hat? Seinen Job wechseln? Mit der alten Beziehung Schluss machen? Erst mal ein halbes Jahr durch die Weltgeschichte reisen? Oder sich einfach in [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Was macht eigentlich ein Journalist, der gerade um die 30 ist und das Gefühl hat, dass es in seinem Leben irgendwie nicht so läuft, wie er sich das als Kind immer vorgestellt hat? Seinen Job wechseln? Mit der alten Beziehung Schluss machen? Erst mal ein halbes Jahr durch die Weltgeschichte reisen? Oder sich einfach in der nächsten Bar voll laufen lassen? Alles akzeptable Lösungen. Blöd wird es nur, wenn er sich für die fünfte Variante entscheidet: ein Buch über seine Generation zu schreiben.<span id="more-944"></span></p>
<p>Das mit den Generationenbüchern ist ja mittlerweile wie mit eigenen Webseiten und Blogs. Dank einer Baukastentechnik, kann sich das jeder zusammenzimmern. Man muss nur hinter den Begriff Generation das Schlagwort setzen, das gerade irgendwie die eigene Stimmungslage beschreibt und von dem man annimmt alle anderen fühlten auch so. Deshalb hat Oliver Jeges jetzt das nächste Generationenbuch über die &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Generation-Maybe-Signatur-einer-Epoche/dp/3942989646">Generation Maybe</a>&#8221; herausgebracht. Nach Florian Illies&#8217; &#8220;Generation Golf&#8221; (2000) &#8211; der Mutter aller Generationenbücher -, &#8220;Generation Ally&#8221; (2002), &#8220;Generation Umhängetasche&#8221; (2008), &#8220;Generation Wickeltasche&#8221; (2010), &#8220;Generation Geil&#8221; (2010), &#8220;Generation Porno&#8221; (2010) und &#8220;Generation Laminat&#8221; (2012) &#8211; um mal nur einige zu nennen &#8211; dürfte man verwundert feststellen: offenbar dauert eine Generation im Durchschnitt nur noch zwei Jahre.</p>
<p>Was zeichnet nun diese Generation Maybe aus? Oliver Jeges&#8217; These: Menschen um die 30 können sich nicht entscheiden. Sie wollen alles, trauen sich aber nichts zu. Also, mit dieser Behauptung ist ja noch nie einer um die Ecke gekommen. Respekt! Natürlich wird das jetzt nicht so platt ausgedrückt, sondern literarisch stilsicher (&#8220;<a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/generation-maybe-von-oliver-jeges-a-952697.html">Eigentlich geht es uns gut. Aber es ist dieses schwerelose Gefühl, das uns alle verbindet</a>&#8220;) oder wissenschaftlich oberschlau (&#8220;<a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/generation-maybe-von-oliver-jeges-a-952697.html">totale Multioptionsgesellschaft</a>&#8220;). Der herausgebende Verlag, Haffmans &amp; Tolkemitt, bleibt hingegen ganz bescheiden und spricht schlicht vom &#8220;<a href="Das erste umfassende Generationsporträt der heute um die 30-Jährigen seit 'Generation Golf">umfassend[sten] Generationsporträt der heute um die 30-Jährigen seit &#8216;Generation Golf</a>&#8221; &#8211; und greift mit dieser Aussage voll ins Klo.</p>
<p>Denn die Gedankengänge von Oliver Jeges haben weder etwas Umfassendes, noch etwas mit irgendeiner Generation zu tun, gründen sie doch einzig &#8211; wie Oskar Piegsa in seinem <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/generation-maybe-von-oliver-jeges-a-952697.html">Artikel</a> zutreffend beschreibt &#8211; auf Gesprächen eines Berliner Szenekiez-Freundeskreises, der lediglich gewisse Medien- und Konsumerfahrungen teilt und diese gleich zu lebensprägenden Erfahrungen einer ganzen Generation hochstilisiert. Mit einer Generationenwirklichkeit hat dies ungefähr soviel zu tun wie der Alltag der britischen Königsfamilie mit dem seiner Untertanen.</p>
<p>Leider ist es ja so leicht, sich seine Gedanken über die Gesellschaft, die Menschen, ihre Lebensrealitäten zu machen und diese dann hinaus zu posaunen. An dieser Stelle erinnere ich mich gerne an die Aussage eines Mädchens, dem ich kurz vor Aufnahme meines Studiums erzählte, dass ich Sozialwissenschaften studieren werde. Ihr Kommentar: &#8220;Das braucht man nicht zu studieren. Meine Freund und ich betreiben ständig Sozialwissenschaft, indem wir uns über die Menschen wundern&#8221;. Nee, is klar.</p>
<p>Das mit der Analyse sozialer Alltagsrealitäten sollte man doch lieber denen überlassen, die sich damit auskennen. Soziologen, Sozialwissenschaftler. Und was die vorübergehende Verwunderung orientierungsloser Journalisten angeht: vielleicht wäre mal eine Auszeit das richtige. Tauchschule auf Ko Samui. Oder Working Holiday in Australien. Wenn&#8217;s am Geld mangelt, wäre das doch was fürs Croudfunding. Aber bitte keine weiteren Generationenbücher. Ansonsten sehe ich mich gezwungen demnächst das Buch &#8220;Generation Generationenbücher&#8221; zu schreiben.</p>
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		<title>Hoffen auf Bukowski</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Apr 2013 07:39:05 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[35]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Bukowski]]></category>
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		<description><![CDATA[Welche Hoffnung kann uns Charles Bukowski geben? Vielleicht die, dass eine Leber doch &#8211; wie Eckart von Hirschhausen behauptet &#8211; an ihren Aufgaben wächst? Wobei es heißt, dass Bukowski im Alter nicht mehr so viel getrunken habe. Dann vielleicht, dass die Arbeit in einer staatlichen Behörde, trotz ihrer zermürbenden Routine, doch eine Quelle literarischer Virtuosität [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Hoffnung kann uns Charles Bukowski geben? Vielleicht die, dass eine Leber doch &#8211; wie Eckart von Hirschhausen behauptet &#8211; an ihren Aufgaben wächst? Wobei es heißt, dass Bukowski im Alter nicht mehr so viel getrunken habe. Dann vielleicht, dass die Arbeit in einer staatlichen Behörde, trotz ihrer zermürbenden Routine, doch eine Quelle literarischer Virtuosität sein kann? So viele Postangestellte, die später Literaten geworden sind, kenne ich nun auch wieder nicht.<span id="more-93"></span></p>
<p>Nein, die Hoffnung, die Bukowski uns geben kann, ist unscheinbarer. Man muss schon nach ihr suchen. Und vor allem: man muss einen bestimmten Punkt in seinem Leben erreicht haben, der einen über die großen Zusammenhänge in jener Ereigniskette nachdenken lässt, die gemeinhin als das Leben bezeichnet wird, um für diese Hoffnung empfänglich zu sein.</p>
<p>Bis zu diesem bestimmten Punkt verlief Bukowski Leben zusammengefasst so: aufgewachsen in ärmlichen und schwierigen Familienverhältnissen. Fast eine Jugend gehabt, wenn da nicht die Akne gewesen wäre. Hinaus ins pralle Leben, dass jedoch schlecht bezahlte Jobs, permanente Unsicherheit und sogar einen Aufenthalt in der Psychiatrie bereit hielt. Zuletzt der Versuch stabilere Verhältnisse zu schaffen. Ergebnis: beinah tödlich verlaufene Magenblutung. Dann kam das ernsthafte Schreiben. Das war so um 1954/55. Da war Bukowski 35.</p>
<p>Keine Sorge, ich leide jetzt nicht unter unerklärlichen Schmerzen in der Magengegend, auch wenn Männer dazu neigen harmlose Wehwehchen als beinah tödlich verlaufene Krankheit darzustellen. Aber dieses Jahr werde ich 35. Für mich ist das die magische Zahl, jener Aspekt des literarischen  Aberglaubens, an den ich mich derzeit klammere.</p>
<p>Irgendwo habe ich zwei Aussagen zu diesem Altersmythos gelesen. Die erste bezog sich auf Absolventen künstlerischer Studiengänge, die irgendwie die Zeit zwischen 25 und 35 überbrücken müssen, bevor sie mit ihrem Schaffen Beachtung finden. Die zweite Aussage stammt von Bukowski selbst, der gesagt haben soll, dass er bis zu seinem 35. Lebensjahr so viel Scheiße gesehen habe, dass es an der Zeit war, darüber zu schreiben.</p>
<p>Ok, Skeptiker überzeugt das noch lange nicht, denn trotzdem ist die Zahl 35 absolut willkürlich gegriffen. Heißt ja nicht, dass jemand mit 36 nicht mehr durchstarten kann. Nein, natürlich nicht, aber hier geht es um eben diesen Altersmythos, mit dem man entweder etwas verbinden oder es lassen kann. 35. Letztens meinte ein Arbeitskollege, als ich ihm erzählte, dass ich dieses Jahr 35 werde: Halbzeit! Ok, er wusste nicht, dass es in meiner Sportart drei Drittel gibt. Dennoch: 35, das Schicksalsalter, in dem sich entscheidet, welche Richtung man in den kommenden Jahren einschlägt. Hin in die Normalität der erwachsenen Existenz, wo der stürmische, euphorische Antrieb der Jugendlichkeit endgültig zum Erliegen kommt. Oder doch in eine kreativere Richtung, wo einem daran gelegen ist, seine Ideen und Träume doch noch umzusetzen.</p>
<p>Wer glaubt, dass ich mit der 35 total übertreibe: der bedeutendste, hipste und zugleich Türen-in-die-Verlagswelt öffnende Literaturwettbewerb Deutschlands, der open mike, hat als Höchstalter 35. Da ist der Beweis! Nach 35 ist Schluss. Ab da baut die literarische Fähigkeit ab, falls sie bis dahin nicht zur Entfaltung gekommen ist. Es ist ein bisschen so wie auf dem Heiratsmarkt oder bei der Jobsuche.</p>
<p>Heißt die Lösung: mit dem Zählen aufhören und Geburtstag 34a feiern? Auch eine Möglichkeit, aber mit dem Alter an sich habe ich keine Probleme. Vielmehr geht es um das Ergreifen von Chancen. Das Wahrnehmen eines Impulses, das Erwachen aus der Lethargie, die Entfaltung eines Antriebs, was alles natürlich nicht über Nacht geht oder aufgrund <em>eines</em> auslösenden Moments. Es braucht schon mehrere Tritte in den A&#8230; bis es wirkt und vielleicht ist die 35 ja der, der noch fehlte. Bei Bukowski war er es.</p>
<p>In diesem Sinne: Hank, i&#8217;ll try!</p>
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		<title>mon bohémien, mon modèle</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Apr 2013 07:08:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Benedict Wells]]></category>
		<category><![CDATA[Bohémien]]></category>
		<category><![CDATA[Brotberuf]]></category>
		<category><![CDATA[Fin-du-travail-auteur]]></category>

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		<description><![CDATA[Letztens auf einen Artikel bei spiegel-online gestoßen, einer dieser Berichte, die mit dem Begriff des &#8220;jungen Star-Autors&#8221; in der Überschrift locken, bebildert mit einer Fotostrecke, in der ein nachdenkliches Gesicht mit freundlich-frischem Blick ins Objektiv schaut, Zufriedenheit ausdrückend, schon in jungen Jahren Tiefsinniges in Buchform gepresst zu haben, das sich zudem im Programm eines renommierten [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Letztens auf einen <a href="http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/junger-star-autor-benedict-wells-ich-galt-als-versager-a-888694.html">Artikel bei spiegel-online</a> gestoßen, einer dieser Berichte, die mit dem Begriff des &#8220;jungen Star-Autors&#8221; in der Überschrift locken, bebildert mit einer Fotostrecke, in der ein nachdenkliches Gesicht mit freundlich-frischem Blick ins Objektiv schaut, Zufriedenheit ausdrückend, schon in jungen Jahren Tiefsinniges in Buchform gepresst zu haben, das sich zudem im Programm eines renommierten Verlags wiederfindet. So was kommt an.<span id="more-54"></span></p>
<p>In diesem Artikel geht es um Benedict Wells und seinen Weg vom erfolglosen Bohémien hin zu eben jenem Star-Autor. Anlass für mich, mir Gedanken zu diesem Archetyp des Schriftsteller-Werdens &#8211; dem Bohémien &#8211; zu machen, der heute so vernünftig erscheint wie eine Veröffentlichung bei einem Druckkostenzuschussverlag.</p>
<p>Denn heute dominiert ein anderer Typus des Schriftsteller-Werdens: der &#8220;Fin-du-travail-auteur&#8221;, wie man ihn nennen könnte, also der Schriftsteller, der sich nach Feierabend hinsetzt, um an seinem Roman zu schreiben, weil er tagsüber einem Brotberuf nachgeht, der ihm ein regelmäßiges Einkommen sichert, damit er sich in finanzieller Absicherung nach Feierabend überhaupt hinsetzen kann, weil er ja sonst abends kellnern, bei McDonald&#8217;s arbeiten oder irgendeiner unregelmäßigen, schlecht bezahlten Arbeit nachgehen müsste. Soweit die tendenziöse Theorie.</p>
<p>Ist der Bohémien also nur eine Wunschvorstellung aus einer vergangenen Zeit, in der man sich ein unkonventionelles Leben für die Kunst und gegen die Gesellschaft leisten konnte, weil überall Gönner, Mäzene und Förderer warteten, die einen schon irgendwann auffingen, und wird dieser Lebens,- Denk- und Arbeitsstil in regelmäßigen Abständen aus der Mottenkiste geholt, einzelnen Personen übergestülpt, nur um damit sonstige Verquickungen (nach dem Motto: <em>Der Steuerberater der Verlegerin war in derselben Burschenschaft wie der Bruder des besten Freundes des Vaters)</em>, die etwas mit dem überwältigenden und unerwarteten Bucherfolg zu tun haben könnten zu kaschieren? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Gehen wir mal von letzterem aus. Und gehen wir auch davon aus, dass es ihn - den Bohémien &#8211; weiterhin noch geben kann.</p>
<p>Der Bohémien als Gegenentwurf zum Fin-du-travail-auteur setzt alles auf eine Karte. Ohne Auffangnetz balanciert er auf dem schmalen Grat des Vertrauens zum eigenen Talent vom Nirgendwo zum Erfolg, begleitet von der Gefahr ins Nichts abzustürzen. Dies vermeidet der Fin-du-travail-auteur. Er muss nicht von der Kunst leben, sondern kann &#8211; wie ich es mal gehört habe &#8211; für sie leben. Ganz ohne Erfolgsdruck. Und wenn es nicht klappt? Macht nix. Dann hat es nicht sein sollen. Dafür hat der Fin-du-travail-auteur wenigstens ein gesichertes Leben geführt und konnte einem intellektuelleren Hobby nachgehen als manch anderer.</p>
<p>Sagt das jetzt irgendetwas darüber aus, was besser funktioniert? Natürlich nicht. Wie meistens in der Kunst gibt es verschiedene Wege und jeder nimmt den, den er verdient &#8211; könnte man meinen. Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann ist, dass der Weg des Fin-du-travail-auteur, so überlegt und durchdacht er auch erscheinen mag, doch der beschwerlichere ist, eben weil der Fin-du-travail-auteur nicht außerhalb eines normalen bürgerlichen Lebens steht, sondern dem gesellschaftlichen Druck, jenes normale bürgerliche Leben &#8211; zumindest nach außen &#8211; zu führen, erlegen ist. Innerlich denkt er anders, macht nebenher etwas, von dem er sich eigentlich wünscht, es hauptsächlich tun zu können, wenn nur, ja wenn da nur nicht die Realität wäre. Der Fin-du-travail-auteur bleibt gespalten, in die Person, die er vorgibt zu sein, und die Person, die er gern wäre. Und er bleibt allein. Denn seinem direkten Umfeld kann er sich nicht mitteilen, offenbaren was ihn wirklich antreibt. Wieso auch?! Er führt doch das Leben, das er wollte.</p>
<p>Der Bohémien dagegen bleibt authentisch. Er ist so wie er sein will, räumt der Kunst den größten Raum im Leben ein, drückt alles andere an den Rand. Das macht ihn natürlich zu einem schwierigen Zeitgenossen für andere. Ok, aber genau so will er es.</p>
<p>Und nun? Gibt&#8217;s noch eine Empfehlung, einen Rat? Irgendetwas, an das man sich halten, stoßen oder es einfach ignorieren kann? Klar, bitte: versucht es erst wie der Bohémien! Denn ihn treibt die frische Kraft der Unbeschwertheit, die Dynamik der Emotionen und die Unverfrorenheit der Jugend. Vielleicht genau die richtige Mischung, zum richtigen Zeitpunkt, um den eigenen Weg zu erkunden. Und wenn es dann nicht klappt? Kann man immer noch Fin-du-travail-auteur werden.</p>
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		<title>Leipzig dream</title>
		<link>http://klarspueler.com/leipzig-dream/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 11:59:49 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Literaturwelt]]></category>
		<category><![CDATA[David Wagner]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Buchmesse]]></category>
		<category><![CDATA[Leipziger Buchmesse]]></category>
		<category><![CDATA[Lit.Cologne]]></category>
		<category><![CDATA[Preis der Leipziger Buchmesse]]></category>

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		<description><![CDATA[Letzte Woche ging die Leipziger Buchmesse zu Ende. Mal wieder. Und mal wieder war ich nicht dabei. Obwohl ich letzten Sommer auf einer Hochzeit jemand kennengelernt hatte, der aus Leipzig kommt und mir im Überschwank einer Spontanverbrüderung unter Einfluss mehrerer Gläser Wein anbot, jederzeit bei ihm übernachten zu können. Entfernung zur Messe: 20 Minuten. Zu [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Letzte Woche ging die Leipziger Buchmesse zu Ende. Mal wieder. Und mal wieder war ich nicht dabei. Obwohl ich letzten Sommer auf einer Hochzeit jemand kennengelernt hatte, der aus Leipzig kommt und mir im Überschwank einer Spontanverbrüderung unter Einfluss mehrerer Gläser Wein anbot, jederzeit bei ihm übernachten zu können. Entfernung zur Messe: 20 Minuten. Zu Fuß. Super! Nie mehr Probleme, ein Zimmer für die Messezeit zu finden.<span id="more-44"></span></p>
<p>Leipzig gilt ja allgemein als Messe für Leser. Während Frankfurt als Messe der Verlage und Agenten und Mainz als die der Buchgestalter bezeichnet werden. Und die Lit.Cologne das Festival derjenigen ist, zu denen man sowieso nicht gehört. Wo also, wenn nicht in Leipzig?</p>
<p>Jetzt muss ich gestehen: ich bin kein Leser. Sondern Schreiber. Und wenn ich nach Leipzig fahren werde, dann mit einem Buch von mir in der Tasche, eins von diesen abgegriffenen Exemplaren, vollgespickt mit Klebezetteln, die Stellen markieren, welche ich auf Lesungen vortragen werde. Wenn ich nach Leipzig fahren werde, dann mit der Bahn, die vorbeiziehende Landschaft betrachtend, sinnierend darüber, was ich den Lesern, die mich am Stand besuchen, erzählen soll. Wenn ich nach Leipzig fahren werde, dann ein schickes dunkles Hemd tragend, passende Jeans, frisch geschnittenes Haar und diese Kraft im Blick, die zeigt, dass ich mit meiner Geschichte etwas zu sagen habe.</p>
<p>Aufhören Halotta! Aufhören! Das ist ja unerträglich, höre ich eine Stimme rufen, die definitiv nicht Wilfried Schmickler gehört, sondern der meines Chefs im Brotberuf ähnelt. Stellen Sie endlich das Träumen ein! Die Szene ist doch geklaut: der Typ im dunklen Hemd ist David Wagner, der 2013 den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen hat. Und Sie ersetzen einfach nur ihn durch sich und wünschen er zu sein, weil Sie im Moment nicht der sind, der Sie gehofft haben zu werden!</p>
<p>Träumen? Hat da gerade jemand von Träumen gesprochen? Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen einem Traum, den man in diesem Zusammenhang als unrealistisches Hirngespinst abtut, und einer Vision, mit der man ein großartiges und anspruchsvolles Ziel verbindet? Vermutlich in der Vehemenz, mit der man sich bei dem einen vor der Umsetzung drückt, während man beim anderen alles daran setzt, es zu erreichen. Man könnte es auch als den Biss bezeichnen, ohne direkt an Vampire zu denken.</p>
<p>In einem <a href="http://www.buchreport.de/nachrichten/buecher_autoren/buecher_autoren_nachricht/datum/2012/12/11/es-fehlt-an-autoren-mit-biss.htm" target="_blank">Interview mit dem Buchreport beklagt Andreas Eschbach</a>, dass es vielen angehenden Schriftstellern an Selbigem mangele. Dass sie die Messlatte für ihr Tun nicht hoch genug und sich keine großen Ziele setzen würden. Warum eigentlich? Weil die Kenntnis der ernüchternden Realität zeigt, dass man mehr Ahnung von dem Geschäft oder den Mechanismen hat? Das mag vielleicht stimmen, nur leider ist das keine Zwangsläufigkeit.</p>
<p>Ich vergleiche das gerne mit Leuten, die einem nicht schnell genug vom Ernst des Lebens predigen, dem man sich angeblich stellen soll, und hinterher erkennen, dass es besser gewesen wäre, nicht alles so ernst zu nehmen. Aber wehe einer hätte diese Erkenntnis schon vorher gehabt!</p>
<p>Deshalb sage ich: er träumt doch! Weil hinter jeder großen Leistung eine große Idee, ein intensives Gefühl oder eine prächtige Vorstellung stehen, die das erste ermöglichen. Träumen heißt aber nicht ausruhen, es ist eher das Schmiermittel, damit die Maschine in Gang bleibt.</p>
<p>Ob es dann tatsächlich so kommt, wie man es sich erträumt hat, kann niemand sagen. Vermutlich werde ich gar nicht mit der Bahn nach Leipzig fahren. Ich werde mir bestimmt auch keine Gedanken darüber machen, was ich möglichen Lesern am Stand sagen soll, weil ich viel zu aufgeregt und schon froh darüber sein werde, nicht zu vergessen wie ich heiße. Und ein schwarzes Hemd besitze ich nicht einmal. Aber das Buch, das werde ich in meiner Hand halten.</p>
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