Überzeugende Argumente

Vorletzte Woche machte ein Artikel in meinem Freundeskreis die Runde, in dem über die Unvereinbarkeit von Datenschutz und der Nutzung des allseits beliebten Instant-Messaging Dienstes WhatsApp berichtet wurde. Als Alternative, die zwar im Vergleich zum verschwindend geringen Betrag bei WhatsApp, einen geringen Obulus kostet, wurde die App Threema vorgestellt. Als ich vorschlug diese einmal auszuprobieren, erntete ich höchst unerwartete Reaktionen. Fast einstimmig war mein Freundeskreis der Meinung: “Mir doch egal – soll die NSA halt mitlesen”.

Auch wenn mich dies anfangs verwirrte und ich noch versuchte meinen Freunden einige Argumente gegen die Verharmlosung der Ausspähung nahezubringen, dämmerte mir bald, dass hinter ihrer scheinbar ignoranten Haltung ein unerschütterlicher Glaube an unsere Demokratie stecken muss.

Dessen Logik ist simpel und auch irgendwie nachvollziehbar: wenn man in einer WhatsApp Nachricht schreibt: “Ey, komm mal rüber in den Club XYZ, hier herrscht ne Bombenstimmung”, dann wird der mitlesende NSA-Mitarbeiter nicht wirklich der Meinung sein, dass man plant, einen Club in die Luft zu jagen. Wenn er schon die ganze Zeit mitliest, wird ihm ja klar sein, dass man unterwegs und gut drauf ist und dass in dem Club, in dem man sich befindet, eben gute Stimmung herrscht und niemand auch nur auf die Idee käme, alles mit einer Bombe zu beenden.

Und selbst wenn am anderen Ende der Überwachungsleitung kein einzelner oder gar hundertausende NSA-Mitarbeiter sitzen, weil die abgegriffene Datenmenge derart gigantisch ist, dass sie sich nur mit Hilfe von Algorithmen auswerten lässt, wird die Erwähnung des Wortes “Bombe” im Umfeld vieler ziemlich harmloser Worte nicht gleich dazu führen, dass man am nächsten Morgen von einem Spezialkommando abgeholt und in ein Geheimgefängnis abtransportiert wird.

Mit Sicherheit nicht. Denn die Algorithmen arbeiten nach anderen Prinzipien: sie analysieren Verbindungen. Da könnte es schon was ausmachen, wenn ich die Nachricht einem Freund schicke, der beispielsweise Halbafghane ist, ursprünglich aus Bremen kommt und seine Familie zufällig in der selben Straße wohnt, in der sich ein Kulturverein befindet, in dem ab und an seltsame Leute verkehren.

Aber solche Zusammenhänge sind ja weit hergeholt und hören sich irgendwie nach amerikanischen Thrillern und nicht nach der Alltagsrealität in Düsseldorf-Bilk oder Köln-Nippes an, in der man sich sicher sein kann, dass alles nach demokratischen, rechtsstaatlichen Regeln läuft. Deshalb, alles keine überzeugenden Argumente, um den Dienst zu wechseln.

Nur wenige Tage später platzte die Meldung heraus, dass WhatsApp von Facebook übernommen wird. Nur Stunden später äußerten einige aus meinem Freundeskreis, dass sie jetzt von WhatsApp zu Threema wechseln werden, da sie sich nicht durch Facebook ausspionieren lassen wollen und ohnehin Mark Zuckerberg nicht leiden könnten.

Wie gut, dass überzeugende Argumente doch wirken.